Projekt „Lernwerkstatt“

Seit September 2017 gibt es im Kinderhaus St. Ursula das Projekt „Lernwerkstatt“. Die Idee dabei ist, vorrangig den künftigen Schulanfängern den Raum und die Möglichkeit zu geben, ihre Neugier, ihren Wissensdurst und ihre Kreativität intensiv ausleben zu können. Im Kinderhaus findet das Projekt immer am Freitag Vormittag statt.
Die freundliche „Hexe Schneckse“ holt die Kinder aus ihren Gruppen ab und begleitet sie in die Lernwerkstatt. Die Kinder verbringen dann den Vormittag mit experimentieren, forschen und entdecken. Sie arbeiten mit Utensilien, die sie im normalen Alltag eher nicht in Gebrauch haben. Dazu gehören Pipetten, Stecknadeln und Perlen, Spiegel, Bohrer und Schraubenzieher, Zündhölzer und Kerzenlöscher, Holz/Magnetbuchstaben, ein Mikroskop u.v.m.
Bei gemeinsamen Angeboten experimentieren wir z.B. mit Licht und Schatten oder wir erarbeiten zusammen ein bestimmtes Themengebiet, wie Buchstaben/das ABC. Zum Abschluss des Lernwerkstattvormittags gibt es immer noch ein bisschen „Kopfkino“ für die Kinder. Wir lesen eine Geschichte aus dem Buch „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler. Die Geschichte ist sehr passend für uns, da die kleine Hexe im Buch auch sehr viele Zaubersprüche lernt und viel experimentiert, bis diese richtig funktionieren.
Unsere „Rumpelwicht-Kinder“ der Waldgruppe werden ein- bis zweimal wöchentlich von der schlauen Eule „Eulalia“ in die Lernwerkstatt begleitet, in der sie verschiedene Stationen nutzen können. Außerdem dürfen sich die Vorschulkinder bei ganz speziellen Aufgaben einbringen, wie z.B. „den Feuerführerschein“. Nach bestandener Prüfung dürfen sich diese Kinder selbstständig ums Lagerfeuer kümmern. Desweiteren werden verschiedenste Experimente gemacht und es wird zu bestimmten Themen philosophiert. Natürlich werden hier bei den Lernerfahrungen sehr viele Naturmaterialien verwendet und es wird mit allen Sinnen ganzheitlich gelernt.

„Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war.“
Maria Montessori

In einer Lernwerkstatt werden die Kinder ermutigt und angeregt, Neues zu erforschen und zu experimentieren. Sie erleben und gestalten ihre Lernprozesse autonom und mit allen Sinnen. Die Kinder finden beim Umgang mit dem Lernmaterial eigene Problemlösungsstrategien, erarbeiten sich eigene Lernwege und entwickeln dabei eine Selbstständigkeit die ihnen hilft, ihre Kompetenzbereiche zu fördern. Bereiche wie Kognition, Lebenspraxis, Eigenverantwortung und Sozialverhalten, Resilienz, Frustrationstoleranz, Ausdauer, Konzentration, Kreativität, Motorik, Wahrnehmung u.v.m. werden dabei trainiert. In einer anregenden Umgebung können die Kinder „das Lernen aktiv begreifen“ und bekommen die Zeit, es in Ruhe und Entspannung aufzunehmen. Unsere Lernwerkstatt verändert sich und entwickelt sich stetig weiter, da sie sich dabei am Wissensstand und dem Interesse der Kinder orientiert.
Um unserem Bildungsauftrag nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan gerecht zu werden, sind wir als Erzieherinnen oft auf der Suche nach neuen interessanten Ideen und Möglichkeiten, den Kindern Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen verschiedenster Art zu vermitteln. Die Lernwerkstatt ist für uns ein zusätzliches Angebot zu dem, was die Kinder im Kindergartenalltag „ganz nebenbei“ im Spiel und bei gemeinschaftlichen Angeboten in den Gruppen tagtäglich lernen. Hier steht der Gedanke der „echten Bildung“ im Gegensatz zum „ergebnisorientierten Lernen“ im Vordergrund, wodurch sich die Kinder zu vollwertigen Persönlichkeiten entwickeln dürfen, die Lust auf Lernen und Wissen entwickeln, um ihren Aufgaben im weiteren Leben positiv gegenüber zu stehen.

„Die Neugierde der Kinder ist der Wissensdurst nach Erkenntnis, darum sollte man diese in ihnen fördern und ermutigen.“
John Locke